Debütantin führt Novizin

Auf besonderen Wunsch von Frau Petra Lau, unserer  Sonderleiterin, DRC-Verbandsrichterin und auch noch Bezirksgruppenvorsitzenden, schreibe ich einen kleinen, sehr subjektiven Bericht aus der Sicht einer "Erst-Retriever-Besitzerin", die noch nie auf einer Prüfung, geschweige denn auf einer jagdlichen Anlagensichtung war.

Da sowohl mein Labradormädchen als auch ich das Jagdwesen als hochinteressante, verantwortungsvolle Tätigkeit in unserer Natur ansehen, wollte ich unbedingt, auch ohne Jagdschein, an einer JAS teilnehmen. Das ist mir dann auch letztendlich gelungen, da die Anzahl der Sichtungstermine auf Grund der zahlreichen Bewerbungen deutlich aufgestockt wurde. Erstmal Dankeschön dafür.

Am frühen, noch etwas kühlen Sonntagmorgen des 14.10.18 ging es los. Treffen im Gemeindehaus in Bebensee. In entspannter Atmosphäre sammelten sich Teilnehmer und Prüfer. Frau Lau erledigte die Anmeldeformalitäten und stattete die Prüfungsteilnehmer mit einer "kleinen nervenberuhigenden Zwischenmahlzeit inkl. Schnaps" für Mensch und Hund aus.

Die Richter überprüften Chip und Zahnstatus ohne Zwischenfälle bei gut sozialisierten, menschenfreundlichen Retrievern ( 1 Golden Retriever Rüde, 2 Labrador Rüden und 2 Labradorhündinnen).

Herr Rimkeit begrüßte uns als Prüfungsleiter und erläuterte die Historie, den Inhalt, die Ziele der "neuen JAS" und die angewandte Einschätzung der unterschiedlichen Fähigkeiten der Hunde.  Der Unterschied der Anlagensichtung zur JPR wurde nochmals deutlich hervorgehoben. 

Bei bestem Kaiserwetter folgte unser Autokorso zügig dem Wagen von Herrn Dirk Möller, der uns in sein tolles Revier führte, uns den ganzen Tag hilfreich unterstützte und hervorragend betreute.

Als erste Aufgabe wurde die Schleppe gearbeitet: Super schwer!

Zunächst wurde Haarwild über eine Wiese – etwa 70m – gezogen, Haken nach rechts über Brennesselgraben, dann bergauf, durch eine sehr dichte Dornenhecke – Respekt Herr Rimkeit: voller Einsatz ohne Rücksicht auf Hautkratzer oder Triangeln in der Kleidung! –, über einen Weg  mit viel Ablenkung: unsere parkenden  Autos, teilweise mit Hunden, mit Menschen, die redeten etc., dann weiter bergauf über eine Koppel, Haken nach links, von der Koppel runter  durch Knick in einen Sohleweg, auf der anderen Seite hoch, noch´n Stück rein, wo dann das Wild abgelegt wurde.

Die Hunde waren enorm unterschiedlich: vom "Vollprofi", dem bereits erfahrenen und  gut trainierten Hund, bis hin zum ungeschliffen "Rohdiamanten", der vor einer Woche seine erste Ente im Maul hatte.

Bei dieser bewusst enorm schwierigen Schleppe zeigte sich relativ schnell, dass das Erlernte noch nicht zur Erfüllung der Aufgabe reichte  und die eigentlichen Anlagen mit dem individuellen, nicht erlernten Verhalten der Hunde, in den Vordergrund traten. Unter Anweisung der Richter wurden alle Hunde zusammen mit Ihren FührerInnen bei dieser selbständig unlösbaren Aufgabe  behutsam zum Erfolg gebracht.

AHA-Moment für mich: so werden also Anlagen zur Sichtung rausgekitzelt. Ich war beeindruckt.

Was mich noch außerordentlich beeindruckt hat: die engagierte Arbeit der RichterInnen. Nach jeder Aufgabe erfolgte eine ausführliche Besprechung über das Verhalten des Hundes, für jeden offen, aber insbesondere mit den HundeführerInnen. Die Einordnung auf der Verhaltensskala wurde ausgiebig diskutiert, unterschiedliche Aspekte "im Sinne pro Hund" intensiv beleuchtet und  ein gemeinsamer Nenner  gesucht, egal wie lange es dauerte. Bei allen weiteren Aufgaben und bei jedem Hund zeigten die RichterInnen unermüdlich die gleiche sorgfältige Arbeitsweise! Absolut bewundernswert.

Da meine Marie läufig war – auch das noch :-) – musste ich mich ja meistens aus dem Dunstkreis der "männlichen Sichtlinge" fernhalten, war somit häufig beschäftigt, Madame ins Auto rein oder raus zu laden. Aber wir durften teilnehmen und das war das Wichtigste.

Die Zeit verflog. Alle waren kontinuierlich beschäftigt. Ich glaube, es war etwa 17.30 Uhr als wir zum Essen aufbrachen, um den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen.

Etwas abgekämpft, aber bei guter Stimmung habe ich unterhaltsamen Anekdoten zugehört, mich mit anderen Hundeführern ausgetauscht, gefachsimpelt und mich über andere und natürlich besonders  über meinen Hund gefreut.

Ja das Allerwichtigste: unsere Hunde. Alle Hunde haben die Jagdliche Anlagensichtung bestanden. Trotz dem allgegenwärtigen "da kann man gar nicht durchfallen und so weiter...blablabla..."

Das muss man erst mal schaffen: fremde Umgebung, den ganzen Tag arbeiten, ups auf einmal fremde Menschen mitten im Wald versteckt, nie richtig Ruhe, überall andere Hunde, Frauchen/Herrchen auch nicht so locker wie sonst, andauernd riecht es nach Wild und dann knallt es auch noch öfters etc. etc. etc.

ALLE HUNDE HABEN BESTANDEN!

Werte Hunde: Ihr habt das sehr gut gemacht ! Glückwunsch!!!

Erix Rebell Heart mit Frau Eberhardt, Astraglen Matlock mit Herrn Hickethier, Happy Black Heinrich ut de Marschlannen mit Herrn Hillebrecht, Unbelievable Inspiration vom Bleckengrund mit Frau Rüpke und wir beide.

Mein persönliches Fazit: Ich hatte einen sehr schönen kurzweiligen Tag. Viele Menschen haben dazu beigetragen:

Vielen Dank an die Sonderleitung Frau Petra Lau: erstmal hast Du diese JAS möglich gemacht und dann auch noch wunderbar organisiert. Alles klappte smooth and easy ohne Stress! Hier auch gleich den Dank an das bekannte "Support-Team" (psychisch und physisch) Mareile und Kerstin.

Ich danke den Richtern für ihr unermüdliches Engagement und ihrem Streben nach objektiver, fairer Beurteilung. Ich glaube, alle waren mit Eurer "Benotung" zufrieden. Bei meinem Hund hat es auf jeden Fall  zu 98% hingehauen! Expertise darf ruhig beim Namen genannt werden:

Herr Rimkeit, Herr Stephan, Frau Dr. Kieper, Frau Dageförde und Frau Schneemann.

Ganz besonders bedanke ich mich bei Herrn Dirk Möller, dass wir in Deinem Revier die JAS durchführen durften und Du für das "Rundumsorglos-Paket" gesorgt hast. Deine Erzählungen und Ansichten über das Jagdwesen sind für mich hoch interessant und inspirierend.

Ich danke den anderen HundeführerInnen für Tipps, Lob und/oder aufmunternde Worte, ganz ohne Konkurrenz-Geplänkel.

So, und als "Retrieverdebütantin"  hatte ich an diesem Tag viele neue Eindrücke. Die muss ich erstmal verarbeiten. Ob die JAS so bleiben oder verändert werden soll, kann ich nicht beurteilen. Aber m.E. sollte sie für alle, auch für Nicht- Jäger, zugänglich bleiben.

Ich habe jetzt genug Stoff, um über  eine "jagdliche Zukunft" von Marie und mir nachzudenken!

Und eins ist sicher: Mit der Marie war ich sehr zufrieden und ich bin megastolz auf meinen kleinen Hund. Die JAS hat sich für uns gelohnt!

Mit besten Grüßen                                      

                                               Dr. Dorothea (Dotti) Breitinger und Tia Maria vom Bleckengrund (Marie)

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